Kundenprojekt · Marke, UX & Website

Pidkazhu
Vom Logo zur Plattform

Ein Vermittlungsservice für Autowerkstätten in der Ukraine – von Produktregeln und Logo bis zur dreisprachigen Website. Mit einem bewussten Kurswechsel: Als das erste Design zu flach wirkte, wurde das gesamte Designsystem neu aufgebaut.

Pidkazhu – Vom Logo zur Plattform
KundenprojektBranding & LogoUX & DesignsystemAstro · PHP
01 · Kontext

Ausgangslage & Auftrag

Der Auftraggeber kam mit einer klaren Idee, aber ohne Namen, Marke oder Website. Gebraucht wurde kein weiteres Werkstattverzeichnis, sondern ein Service, dem man sein Auto anvertraut – noch bevor man den Schlüssel übergibt.

Kurz gesagt
Was
Ein Service, der Autofahrern in der Ukraine eine geprüfte Werkstatt vermittelt – persönlich, ohne Katalog und ohne Bewertungsportal.
Meine Rolle
Alles aus einer Hand: Produktregeln, Markenkern, Logo und Logo-Animation, Designsystem, UX, Website und Formular-Backend.
Ergebnis
Eine dreisprachige Website (UA · RU · EN), live unter pidkazhu.com
Branche
Kfz-Service-Vermittlung · Ukraine
Aufgabe
Produkt, Marke & Website
Rolle
Strategie · Design · Entwicklung
Zeitraum
Juni – September 2026
02 · Problem

Der Gegner heißt Unsicherheit

Das Problem ist nicht, aus zehn Werkstätten eine auszuwählen. Es beginnt in dem Moment, in dem man sein Auto Menschen überlassen muss, die über Reparaturen viel mehr wissen als man selbst.

Was Autofahrer in diesem Moment befürchten
Für Arbeiten zu zahlen, die gar nicht nötig waren
Zusatzarbeiten, mit denen niemand gerechnet hat
Nicht zu wissen, welche Teile und Materialien wirklich verbaut wurden
Nicht einschätzen zu können, ob der Preis fair ist
Nicht zu verstehen, wie gut die Reparatur ausgeführt wurde

Trust should come before the keys change hands.

Interner Leitsatz der Marke – Vertrauen muss entstehen, bevor der Kunde den Schlüssel übergibt.

Das Designsystem beginnt mit genau diesem Satz: „We sell confidence, not repairs.“

03 · Produktregeln

Erst die Regeln, dann das Design

Bevor eine einzige Seite gestaltet wurde, habe ich das Produkt schriftlich festgelegt: Produktverfassung, Unique Mechanism, Brand DNA und das Kernobjekt „Bearing“. Diese Dokumente haben später jede Designentscheidung beantwortet – nach Regeln, nicht nach Geschmack.

Der Auslöser: der erste Entwurf

Der erste Entwurf vom 30. Juni sah aus wie jedes Vergleichsportal: Sterne, Bewertungen, eine Karte mit Werkstätten, ein Katalog von Leistungen. Technisch sauber – aber genau das Gegenteil von dem, was der Service verspricht. Aus dieser Erkenntnis entstanden die Regeln.

Erster Entwurf der Pidkazhu-Startseite vom 30. JuniErster Entwurf: Karte, Bewertung 4,8 und „40+ geprüfte Werkstätten“
Erster Entwurf, 30. Juni: Ratings, Karte, Katalog – alles, was später ausdrücklich verboten wurde.
Was Pidkazhu ist
Ein persönlicher Vermittler: Ein Manager klärt die Situation im Gespräch
Eine geprüfte Werkstatt statt einer Liste zum Vergleichen
Partner werden vorab persönlich geprüft – Fachleute, Ausstattung, transparente Rechnungen, Garantie
Für den Kunden kostenlos – die Provision zahlt die Partnerwerkstatt
Ehrlich, wenn es keine passende Lösung gibt
Was Pidkazhu bewusst nicht ist
Kein Katalog, kein Marktplatz, kein Bewertungsportal
Keine Sterne, Ratings, erfundenen Bewertungen oder Kundenzähler
Keine Filter, Vergleiche, Preisrechner oder Online-Buchung
Kein Kundenkonto, kein Dashboard
Keine Versprechen, die der Service nicht selbst kontrolliert
Designsystem v1: fünf Gestaltungsregeln und die „Hard nos“
Designsystem v1, Juli: fünf Regeln für jeden Bildschirm – und die „Hard nos“: keine Autos, Zahnräder, Schraubenschlüssel.
Der Weg des Kunden – in neun festen Schritten
  1. 01Situation schildern
  2. 02Gespräch mit dem Manager
  3. 03Rückfragen
  4. 04Fotos oder Besichtigung, falls nötig
  5. 05Auswahl der Werkstatt
  6. 06Prüfung, ob sie den Auftrag annehmen kann
  7. 07Abstimmung mit dem Kunden
  8. 08Übergabe der Daten
  9. 09Termin in der Werkstatt
04 · Kernobjekt

Eine Richtung statt einer Liste

Das Herz des Produkts heißt „Bearing“ – eine Karte mit genau einer abgestimmten Werkstatt. Sie hat immer dieselben Felder in derselben Reihenfolge: Werkstatt · Termin · Adresse · wer Sie empfängt. Ihr Gewicht wächst mit der Anfrage und nimmt nach dem Besuch wieder ab – sie bleibt erreichbar, drängt sich aber nicht auf.

Die Bearing-Karte in vier Zuständen
Bearing in vier Momenten: bevor es ein Ergebnis gibt, als Vorschlag, beim bestätigten Termin, nach dem Besuch.
Sechs Zustände einer Anfrage – fest im Datenmodell verankert
Angenommen
Die Nachricht ist da, der Manager meldet sich.
Rückfrage
Für eine genaue Auswahl fehlen Fotos oder Details.
Auswahl läuft
Die passende Werkstatt wird gesucht und angefragt.
Zustimmung nötig
Eine Werkstatt ist gefunden, der Kunde entscheidet.
Termin bestätigt
Werkstatt, Zeit, Adresse und Ansprechpartner stehen fest.
Keine Lösung
Pidkazhu sagt es offen, statt etwas Unpassendes zu empfehlen.
05 · Marke & Logo

Ein Zeichen, das spricht

Die Farbsuche begann mit fünf ruhigen, skandinavischen Paletten. Übernommen wurde keine davon – aus ihnen entstand ein eigenes System: warmes Papier, tiefes Tannengrün für Vertrauen und ein einziger Tonakzent für das Menschliche. Ausdrücklich verboten: das typische Blau-Rot der Autobranche.

Kandidaten · Juni
Sea Glass Minimal
Fjord Mist
Sage Sauna
Stone Harbor
Charcoal Hygge
Designsystem v1 · Juli
Paper#F7F4EF
Pine#1F4D3E
Clay#C05E3B
Ink#1C1A17

Ein Designsystem, kein Moodboard

Aus der Palette wurde ein vollständiges Dokument mit 15 Kapiteln: Markenphilosophie, Gestaltungsprinzipien, Farben, Typografie, Raster, Abstände, Bewegung, Icons, Barrierefreiheit und Komponenten. Jede Farbe und jede Schrift darin ist derselbe Code, der später auf der Website läuft.

Titelseite des Pidkazhu-Designsystems v1: „The right shop, chosen for you.“
Schriftmuster: Newsreader für ÜberschriftenFarbsystem v1: Pine, Clay und warme Neutraltöne
Designsystem v1.0, Juli 2026 – Titelseite, Schrift und Farbsystem.

Vom Schriftzug zum Zeichen

Im ersten Entwurf war das Logo nur ein Schriftzug: „pidkazhu“ mit einem gelben Punkt am Ende. Der Punkt blieb – als Zeichen für die gefundene Antwort. Im Designsystem v1 wurde daraus das eigentliche Zeichen: das sprechende Quadrat mit dem Punkt in der Mitte.

Logo-System: Lockup, Symbol, Monochrom, Favicon und App-Icon
Ein Zeichen – sechs Anwendungen: Lockup, Symbol, Monochrom hell und dunkel, Favicon, App-Icon.
Drei Choreografien für die Bewegung
A · Point of the line
Der Punkt zeichnet die Kontur und gleitet in einer einzigen Bewegung ins Zentrum. Gewählt.
B · Inset orbit
Die Kontur schließt sich von zwei Seiten, der Punkt läuft eine verkleinerte Kopie der Form ab.
C · Spiral lock
Eine Linie mit langem Ausklang, dann eine Spirale bis zum Zentrum.

A gewann, weil die Bahn aus der Geometrie des Zeichens selbst berechnet wird – auf kein anderes Logo übertragbar.

Eigene Icons statt Stock

Auch die Icons wurden gezeichnet, nicht gekauft: eine Linienfamilie im 24-px-Raster. Die Icons für Orientierung, Vertrauen und Fürsorge tragen den Ton-Punkt aus dem Logo.

Eigene Icon-Familie mit Ton-Punkt: guide, hint, verified, seal, message, care, place, search, time, price
06 · Version 1

Vom Wireframe zur ersten Live-Version

Ende August entstanden Wireframes für zwei konkurrierende Startseiten, dann ein Hi-Fi-Design für Desktop und Mobil. Umgesetzt mit Astro und einem eigenen PHP-Backend für das zweistufige Anfrageformular – online am 1. September.

Zwei Konzepte derselben Architektur: 1a und 1b – warmes Papier, Serifen, feine Linien.

Motion-System „Nitka“ – der Faden

Für die persönliche Seite jeder Anfrage habe ich drei Bewegungskonzepte verglichen. Gewonnen hat der „Faden“: Die Anfrage bewegt sich als Punkt entlang einer Linie – Beschreibung, Auswahl, Empfehlung, Kontakt, Besuch. Der Kunde sieht nicht einzelne Bildschirme, sondern wie sein Anliegen vorankommt.

Zustände der Anfrage-Seite mit dem Faden, mobil und Desktop
Die Anfrage-Seite im Zustand „Auswahl“ und „Empfehlung“ – mobil und Desktop.
07 · Kurskorrektur

Sauber – aber zu still

Die erste Version war ordentlich, und genau darin lag das Problem. Eine Woche nach dem Start habe ich die eigene Startseite einem Audit unterzogen. Das Fazit: Produkt, Inhalte und Logik stimmen – die visuelle Sprache trägt sie nicht.

Diagnose aus dem Audit vom 7. September
01
Eine einzige Tonfläche – Papier überall, kaum Hierarchie
02
Gleicher Rhythmus – jede Sektion: Überschrift, Text, Linie
03
Die Typografie hat keinen Höhepunkt
04
Die Markenelemente wirken nicht als System
05
Das wichtigste Objekt sieht aus wie fünf leere Platzhalter
06
Grün nur in Buttons – keine Fläche in Markenfarbe
07
Weißraum ohne architektonische Kanten

Sechs Iterationen im selben System

Es folgten eine Studie mit acht Referenz-Websites und sechs neue Varianten: Nummerierung wie im Magazin, dunkle Bänder, Platz für Fotos, Bearing als roter Faden. Jede war besser als die vorige – keine war gut genug. Die Erkenntnis: Das Problem lag nicht im Layout, sondern in der visuellen Sprache selbst.

  1. Startseite – Version 1 · 1. Sep.
    01 / 08
    Version 1 · 1. Sep.

    Warmes Papier, Serifen, Haarlinien. Sauber – und flach.

  2. Startseite – Feinschliff · 8. Sep.
    02 / 08
    Feinschliff · 8. Sep.

    Breiterer Container, ruhigere Abstände. Gleiche Formel.

  3. Startseite – Iteration V2
    03 / 08
    Iteration V2

    Grünes Verantwortungs-Band, nummerierte Schritte. Mehr Kontrast, gleicher Rhythmus.

  4. Startseite – Iteration V3
    04 / 08
    Iteration V3

    Problem-Sektion auf eigener Fläche, geteiltes Layout. Ordentlicher, nicht mutiger.

  5. Startseite – Iteration V4
    05 / 08
    Iteration V4

    Große Ziffern und Platz für Fotos. Bilder sollten tragen, was das System nicht trug.

  6. Startseite – V5 Editorial · 10. Sep.
    06 / 08
    V5 Editorial · 10. Sep.

    Kapitel wie im Magazin, nach einer Studie von acht Referenzen. Klarer, aber noch leise.

  7. Startseite – V6 Bearing · 12. Sep.
    07 / 08
    V6 Bearing · 12. Sep.

    Bearing als durchgehende Linie der Seite. Konzeptionell stark, visuell weiterhin Papier.

  8. Startseite – Neues System · live
    08 / 08
    Neues System · live

    Kühle Flächen, eine Grotesk, dunkle Sektionen – und das Auto als zentrales Objekt.

Der Bruch mit der eigenen Regel

Also wurde das Designsystem komplett neu aufgebaut – inklusive einer Regel, die ich selbst aufgestellt hatte: „keine Autos“. Ein einzelnes, ruhiges Fahrzeug gibt dem Thema sofort ein Gesicht, ohne in Autohaus-Klischees zu kippen. Bewusst kein Supersportwagen, sondern ein schwedisches Coupé der 60er, der P1800: Ein einziger Besitzer fuhr mit diesem Modell über 4,8 Millionen Kilometer – dank regelmäßiger Pflege bei Werkstätten, denen er vertraute. Genau das ist die Idee von Pidkazhu: Zuverlässigkeit entsteht nicht durch das Auto, sondern durch den Service drumherum. Produktregeln, Texte und Bearing blieben unangetastet.

Startseite von Pidkazhu in Version 1
Vorher · Version 1
Startseite von Pidkazhu nach dem Redesign
Nachher · live
08 · Version 2

Neues System, gleiche Regeln

Kühles Silbergrau statt warmem Papier, eine einzige Grotesk statt Serifen, dunkle Sektionen als Rhythmus. Das Grün wurde direkt aus dem Lack des Hero-Autos abgeleitet, damit Marke und Bild eine Palette bilden.

Designsystem v2 · September
Mist#F2F4F6
Accent#386C5A
Signal#C05E3B
Graphite#0F1418
Pidkazhu, Version 2 – Der erste Bildschirm
01

Der erste Bildschirm

Das Auto als ruhiges Hauptobjekt, darunter schon die Felder des Ergebnisses: Werkstatt, Termin, Adresse, wer Sie empfängt. Mit der Maus wird es zur Röntgenlinse – unter dem Lack erscheint die Technik.

Pidkazhu, Version 2 – Der Weg in acht Schritten
02

Der Weg in acht Schritten

Statt „Wir finden die beste Werkstatt“ zeigt die Seite jeden Schritt: was Pidkazhu tut und was der Kunde beitragen muss – meistens nichts.

Pidkazhu, Version 2 – Zehn Prüfkriterien statt Sterne
03

Zehn Prüfkriterien statt Sterne

Qualifikation, Ausstattung, transparente Rechnungen, Garantie: Jedes Kriterium ist einzeln erklärt – mit der Antwort, warum es für den Kunden zählt.

Pidkazhu, Version 2 – Das Geschäftsmodell offengelegt
04

Das Geschäftsmodell offengelegt

Wer die Provision zahlt und warum das die Auswahl nicht beeinflusst: Die Website beantwortet die unbequeme Frage selbst, bevor der Kunde sie stellt.

Pidkazhu, Version 2 – Service-Atlas
05

Service-Atlas

Ein Auto, acht Ebenen: Jede Leistungsgruppe markiert den Bereich am Fahrzeug, den sie betrifft. Niemand muss wissen, wie das defekte Teil heißt.

Pidkazhu, Version 2 – Eine Seite pro Leistung
06

Eine Seite pro Leistung

Acht Leistungsseiten in drei Sprachen mit typischen Symptomen und Auswahlkriterien. Sie holen Suchanfragen ab, ohne zu versprechen, was nur die Werkstatt leisten kann.

Pidkazhu, Version 2 – Anfrage in zwei Schritten
07

Anfrage in zwei Schritten

Die Situation in eigenen Worten, Vorschläge als Chips, dann der Kontakt. Eine genaue Diagnose ist nicht nötig.

Mobil zuerst gedacht

Pidkazhu, Version 2 – Startseite
Startseite
Pidkazhu, Version 2 – So funktioniert’s
So funktioniert’s
Pidkazhu, Version 2 – Anfrageformular
Anfrageformular
09 · Umsetzung

Schnell, dreisprachig, ohne Ballast

Die Website ist statisch gebaut und lädt schnell; das Anfrageformular läuft über ein eigenes, schlankes PHP-Backend beim ukrainischen Hoster des Kunden.

Frontend
Astro · statisch generiert · eigene Schriften
Formular
Zwei Schritte · Foto-Upload · PHP + MySQL
Benachrichtigung
E-Mail und Telegram an den Manager
Sprachen & SEO
UA · RU · EN, eigene Seite pro Leistung
10 · Ergebnis

Was der Kunde bekommen hat

Kein Template, sondern ein durchdachtes Produkt – von der ersten Regel bis zur letzten Animation. Geschäftszahlen gibt es noch nicht; die Website ist seit September live.

Ein Produkt mit Regeln
Verfassung, Mechanismus und Kernobjekt – eine Grundlage für jede künftige Entscheidung.
Eine wiedererkennbare Marke
Zeichen, Farben, Schrift und Logo-Animation, die auch ohne Namen funktionieren.
Eine Website, die zuerst Vertrauen schafft
Dreisprachig, schnell, mit eigenem Formular-Backend und einer Seite pro Leistung.
Ein System, das wachsen kann
Neue Leistungen, Sprachen oder Zustände passen in die bestehende Struktur.
pidkazhu.com ansehen

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